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Nachlese zum Workshop mit Oliver Gies

Schnell war das Konzert der bekannten A-Capella Gruppe Maybebop im Stadttheater Idar-Oberstein ausgebucht. Noch schneller ging das beim nachmittäglichen Workshop des Kreis-Chorverbandes Birkenfeld mit deren musikalischen Kopf, Oliver Gies. Schon im vergangenen Jahr hatte Kreischorleiterin Tina Hauch Gies dafür gewinnen können, vor dem Konzert drei Stunden mit rund 70 Sängerinnen zu arbeiten. Es wurde zu einem besonderen Erlebnis, darin waren sich am Ende alle einig.

Im Vorfeld hatte Oliver Gies drei Stücke aus seiner Feder für den Workshop ausgewählt. An ihnen machte er schnell deutlich, worauf es ihm als Komponist ankommt. Nur mit einer Stimmgabel bewaffnet, aber mit vollem Einsatz von Körper und vor allem Mimik ging es an die Interpretation der Lieder. Natürlich hätte auch Oliver Gies gerne, dass Chöre die Noten richtig singen, viel wichtiger und auch für die Zuhörer viel interessanter ist es aber, wenn die Stücke wirklich gelebt werden. „Ich versuche, den Samen zu pflanzen, dass ihr den Fächer der Emotionen, die ihr im Leben habt, auch beim Singen verwendet.“ Seiner Meinung nach macht das ein Chorkonzert, einen Liedvortrag, aufregend. „Die Chöre müssen bei jedem Lied emotional etwas durchleben“, so Gies.

Dementsprechend waren die drei Stücke gut gewählt, waren sie doch extrem unterschiedlich. Der „Mambo“, im Original von Herbert Grönemeyer, soll für den Zuhörer in erster Linie witzig sein. In Perfektion simulierte Gies dabei die Situation, extrem gestresst in einem Auto zu sitzen und unter Zeitdruck eine Parklücke zu suchen. Ganz anders „Echoes in Rain“ von Enya. Wie immer bei Enya ist auch dieses Stück sehr mystisch und geprägt von der Demut vor der Natur und dem Leben. Das Lied muss daher beim Zuhörer Staunen verursachen, es muss königlich voranschreiten. Sehr bildlich erläuterte Oliver Gies: „Ihr seid hier der Feenstaub“ oder „Das muss klingen, wie ein indischer Glitzervorhang“. Für alle ganz neu war dann das dritte Stück, eine Vertonung des Heinz Erhard Gedichtes „Die Made“. Hier sollten sich alle eine großmütterliche Geschichtenerzählerin vorstellen, die mit aufgesetzter Freundlichkeit ihre Zuhörer mit einer am Ende bitteren Geschichte ins offene Messer laufen lässt.

Die drei Stunden mit Oliver Gies waren im Nu vergangenen und die Teilnehmerinnen waren beeindruckt von seiner Art, Chorsätze zu interpretieren. Sein Appell zum Schluss: „Lasst die Stücke was mit euch machen!“